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Hätte er bloß geschossen!

Hätte es einen Zweiten Weltkrieg ohne Adolf Hitler gegeben? Man wird es nie erfahren. Der Holocaust hätte aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattgefunden und viele weitere Gräueltaten wären ungeschehen. Da liegt es nahe, dass sich der ein oder andere wünscht, Hitler hätte es nie gegeben.

Und einmal stand sein Leben auch auf der Kippe. Am 28. September 1918 traf der britische Soldat Henry Tandey in der Nähe von Marcoing (Frankreich) auf einen verletzten Soldaten. Dieser versuchte nicht einmal sein Gewehr zu heben. Tandey entschloss sich deshalb dazu, nicht zu schießen, was ihm der verletzte Soldat mit einem Nicken dankte und davon eilte. Sein Name: Adolf Hitler.

So wird es zumindest von verschiedenen Seiten behauptet, unter anderem auch hier:

Doch kann das tatsächlich stimmen?

Über diese Bewertung

Die Geschichte wurde von keinem geringeren als Hitler selbst in Umlauf gebracht. Doch beginnen wir am Anfang.

Adolf Hitler

Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in Braunau am Inn (damals Österreich-Ungarn, heute Österreich) geboren. 1914 trat er in die Bayrische Armee ein und kämpfte in der ersten Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 16 im Ersten Weltkrieg.

Henry Tandey

Henry Tandey hingegen, wurde am 13. August 1891 in Leamington Spa (Großbritannien) geboren. Er meldete sich 1910 freiwilig bei der britischen Armee und war zuerst in Südafrika stationiert, wurde zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges dann jedoch zurückgeholt. Er soll Hitler im September 1918 angeblich verschont haben. Dagegen sprechen jedoch mehrere Beweise.

Zum einen wäre da die Aussage von Tandey selbst. 1939 sagte er in einem Interview:

Man sagt, ich hätte Hitler getroffen. Das mag sein, aber ich erinnere mich jedenfalls nicht an ihn.

Henry Tandey im Coventry Herald

Zum anderen sprechen logische Schlussfolgerungen gegen die Geschichte. So war Hitler beispielsweise in der Etappe stationiert – einem Gebiet, mehrere Kilometer hinter der Front. Laut dem Historiker Thomas Weber hätte er nie erlebt, was in den Schützengräben tatsächlich vor sich ging.

Und selbst wenn er doch Erfahrungen an der Front gesammelt hätte: Am 28. September 1918 war Hitler in Wijtschate (Belgien) stationiert. Der besagte Ort Marcoing (Frankreich) ist rund 88 Kilometer Fußweg davon entfernt. Eine Begegnung Hitlers mit Tandey ist also mehr als fraglich.

Fest steht auch, dass Hitler am 15. Oktober 1918 bei Wervik (Belgien) mit Senfgas getroffen wurde. Da Wijtschate und Wervik lediglich 13 Kilometer Fußweg voneinander entfernt liegen, ist es ausgeschlossen, dass Hitler in Marcoing war.

Woher stammt die Geschichte?

Wie bereits anfangs erwähnt, ist es Adolf Hitler selbst, der sich die Geschichte ausgedacht hat. Stellt sich jedoch die Frage, warum er sich so darstellen sollte. Schließlich entspricht ein verwundeter Soldat ja nicht gerade dem arischen Weltbild mit einem starken Führer an der Spitze des Reiches.

Bekannt ist, dass Hitler seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg gerne für propagandistische Zwecke nutzte. Es wird vermutet, dass er mit dieser Geschichte bewirken wollte, dass sein Überleben als Gott gewollt und schicksalhaft erscheinen soll. Doch im Endeffekt ist es eben nur eine Legende.

Quellen:
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