Falsch

Montags stirbt’s sich eher

Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. So auch der Herzinfarkt. Hierzulande sterben jährlich etwa 45.000 Menschen an ihm. Die Ursache ist eine verschlossene Herzkranzarterie. Also ein Blutgefäß, das das Herz mit Sauerstoff versorgt. Infolge dessen kommt es zu einer Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff.

Risikofaktoren gibt es viele: Übergewicht, Rauchen oder Bewegungsmangel zum Beispiel. Aber auch Montage.

Richtig gelesen: Angeblich soll montags das Risiko besonders hoch sein, an einem Herzinfarkt zu sterben. Aber stimmt das denn?

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Studie zeigt erhöhtes Sterberisiko an Wochenenden

2001 kamen Forschende aus Frankreich zu dem Schluss, dass besonders an Wochenenden die Gefahr besteht, an einem Herzinfarkt zu versterben. Zumindest bei Männern im Alter zwischen 25 und 54 Jahren. Dazu analysierten sie anhand von Daten aus den Jahren 1987 bis 1997, an welchen Wochentagen die meisten Patienten an einem Herzinfarkt verstarben. Vor allem bei den jüngeren Patienten zeigte sich, dass das Wochenende besonders gefährlich ist. Die Forschenden vermuten, dass junge Männer da besonders anstrengenden Aktivitäten nachgehen. Je älter die Patienten waren, desto eher verstarben sie aber unter der Woche, davon häufig montags.

Eine Ursache für diese Beobachtungen konnten die Forschenden nicht sicher feststellen. Um diese Analyse auch für Frauen durchzuführen, lagen übrigens nicht genügend Daten vor.

Hohes Erkrankungsrisiko an Montagen

In der französischen Studie konnte die These also nur bedingt bestätigt werden.

Tatsächlich kommen neuere Untersuchungen jedoch zu dem Ergebnis, dass das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, an Montagen zunimmt. So unter anderem eine irische Studie aus dem Jahr 2023. Dort wurden rund 10.500 Patient*innen analysiert, die zwischen 2013 und 2018 wegen eines Herzinfarktes im Krankenhaus behandelt wurden. Das Ergebnis: Montags traten 13 % mehr Infarkte auf als an allen anderen Wochentagen. Weitere Studien, zum Beispiel aus den Jahren 1994 und 2017, kommen zu dem gleichen Ergebnis.

Wer jetzt jedoch glaubt, dass die Sache damit klar und das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, montags tatsächlich höher sei, der irrt. Denn keiner dieser Studien hat sich angeschaut, wie viele Patient*innen in Folge des Herzinfarktes gestorben sind. Die Daten zeigen nur, dass es Montags scheinbar mehr Herzinfarkte gibt als an anderen Tagen. Ob das Sterberisiko ebenfalls ansteigt, ist damit noch nicht geklärt.

Die Todeszahlen steigen an anderen Tagen

Bisher hatten wir also nur Studien, die sich entweder ausschließlich mit der Todesrate oder aber ausschließlich mit der Erkrankungsrate beschäftigt haben. Beides zusammen hat sich 2014 eine belgische Studie angeschaut. Sie analysierte die Anzahl an Herzinfarkten und daraus resultierenden Toden bei Patient*innen im Alter von 25 bis 69 zwischen den Jahren 1983 bis 2009. Dabei wollten die Forschenden vor allem ein Augenmerk auf die Risikofaktoren legen. Insgesamt flossen knapp 10.000 Herzinfarkte in die Studie ein, davon traten die meisten montags auf, die wenigsten an einem Samstag.

Bei den Todesfällen zeigte sich jedoch ein ganz anderes Bild: So verstarben die meisten Patient*innen am Wochenende infolge eines Herzinfarktes. Deutlich seltener an einem Montag.

Montags mehr Herzinfarkte, am Wochenende mehr Todesfälle

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass es montags zwar mehr Herzinfarkte gibt, die Wahrscheinlichkeit, an ihm zu sterben zu Beginn der Woche jedoch nicht am höchsten ist.

Laut den Forschenden kann es dafür übrigens ganz viele Gründe geben. Einer mag sein, dass am Wochenende eher die Patient*innen mit schlimmen Symptomen und einem schweren Herzinfarkt ins Krankenhaus gegangen sein, die daraufhin dann dort verstarben. Der Großteil mit nur leichten Anzeichen und einem weniger schlimmen Infarkt hätte das Wochenende abgewartet und erst am Montag einen Arzt aufgesucht.

Quellen:
Marques‐Vidal, Pedro/Dominique Arveiler/Philippe Amouyel/Pierre Ducimetière/Jean Ferrières: Myocardial infarction rates are higher on weekends than on weekdays in middle aged French men., in: PubMed, Bd. 86, Nr. 3, S. 341–2. (2001), Collart, Philippe/Yves Coppieters/Isabelle Godin/Alain Lévêque: Day-of-the-week variations in myocardial infarction onset over a 27-year period: the importance of age and other risk factors, in: American Journal Of Emergency Medicine, Bd. 32, Nr. 6, S. 558–562. (2014), Tate, Robert B./Philip D. St John: Sudden Unexpected Cardiac Death on Monday in Younger and Older Men: The Manitoba Follow-up Study, in: American Journal Of Epidemiology, Bd. 187, Nr. 3, S. 633–635. (2017), Laffan, Jack/Simon Walsh/Robert A. Byrne/Jaimie Coburn/Conor McCann/Jim Crowley/Mark McKane/Peter Kearney/Mark Kennedy/Charles S. McCreery/Tom Kiernan/Gavin J. Blake/Andrew O. Maree/Aaron Peace: 68 Blue Monday – Association between incidence of STEMI and day of the week, in: BMJ Journals. (2023), Willich, Stefan N./Hannelore Löwel/Michele D. Lewis/Allmut Hörmann/Hans-Richard Arntz/U Keil: Weekly variation of acute myocardial infarction. Increased Monday risk in the working population., in: Circulation, Bd. 90, Nr. 1, S. 87–93. (1994), focus.de, bhf.org.uk (EN), drk.de, herzstiftung.de

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