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Weihnachtsgeschenke vom Staat – und den Urlaub gibt es gratis dazu!

Die Inflation treibt derzeit alle Preise in die Höhe. Egal ob Öl, Gas und Strom, Lebensmittel oder Freizeitangebote – für (fast) alles müssen wir inzwischen mehr zahlen als noch vor wenigen Jahren. Auch die Steuern werden mehr. Vor allem betroffen sind Gering- und Durchschnittsverdiener trotz einer Senkung der Einkommenssteuer, so eine Schätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Hier und da steigt die Mehrwertsteuer und auch die Co2-Bepreisung wird erhöht. Einen Urlaub oder große Geschenke – vor allem an Weihnachten – können sich viele Deutsche nicht mehr ohne Weiteres leisten.

Und der Staat? Der schaue nur zu. Andere Länder hingegen machten “Politik für die Bevölkerung”, möchte man wütenden Instagram-Kommentaren denn Glauben schenken. In Norwegen nämlich würden alle Einwohner*innen im November nur die Hälfte an Steuern zahlen. So bliebe mehr Geld für Weihnachtsgeschenke übrig.

Geschenke durch den Staat finanziert – wie nett von Norwegen.

Über diese Bewertung

Steuern nach Wunsch

Ein bisschen was Wahres ist tatsächlich dran an der Behauptung, dass alle Einwohnerinnen Norwegens im November nur die Hälfte der Steuern zahlen müssten. Ganz richtig ist sie nicht, aber zumindest können alle Arbeitnehmerinnen Norwegens entscheiden, ob sie im November oder Dezember nur die Hälfte ihres Gehalts versteuern möchten oder nicht. Auch Rentner*innen können dieses Modell wählen.

Dass sich Norwegerinnen und Norweger entscheiden können, wie viel Steuern sie im Dezember zahlen müssen, ist der Landsorganisasjonen i Norge (LO) zu verdanken. Das ist der größte Gewerkschaftsdachverband Norwegens. Er setzte sich für diese Regelung ein, die seit 1952 existiert. Gedacht war sie dafür, die Menschen an Weihnachten finanziell zu entlasten, damit sie sich Weihnachtsgeschenke leisten oder ein bisschen Geld beiseitelegen können.

Seit 2016 können sich Norwegerinnen und Norweger auch dazu entscheiden, statt im Dezember im November weniger Steuern zahlen zu müssen.

Wenn man weder im November noch im Dezember weniger Steuern zahlen möchte, kann man sich auch dagegen entscheiden. Aber wer würde das schon freiwillig machen?

Die Steuerlast wird umverteilt

Wer sich dachte, dass dieses Modell eine super Möglichkeit wäre, um Steuern zu sparen, wird jetzt leider enttäuscht. Denn wer im November oder Dezember weniger Steuern zahlt, hat nicht mehr Geld zur Verfügung – zumindest aufs Jahr gerechnet.

Zwar gibt es am Ende des Jahres ein bisschen mehr Netto vom Brutto, dafür wurden in den restlichen Monaten jedoch mehr Steuern gezahlt als eigentlich vorgesehen. Personen, die sich für mehr Geld im November oder Dezember entscheiden, zahlen in lediglich 10,5 Monaten so viele Steuern wie andere in 12 Monaten zahlen müssen.

Es ist also ausschließlich eine individuelle Präferenz, ob man die Steuern in 12 oder 10,5 Monaten zahlen möchte.

Urlaubsgeld

Aber warum werden die Steuern in 10,5 Monaten gezahlt, wenn man sich dafür entscheidet, im Winter nur die Hälfte des Einkommens versteuern zu lassen? Müsste es nicht auf 11,5 Monate aufgeteilt sein?

Das liegt daran, dass Norwegerinnen und Norweger im Juni oder Juli keine Steuern auf ihr Gehalt zahlen müssen. Damit für die Sommermonate mehr Geld zur Verfügung steht.

Auch hier ist es jedoch kein Urlaubsgeld des Staates. In andern Monaten werden dementsprechend mehr Steuern abgezogen.

Steuernachzahlung möglich

Aufpassen muss, wer seinen Arbeitgeber Ende November/ Anfang Dezember wechselt. Behält der ehemalige Arbeitgeber die Hälfte der Steuern im November ein und der neue Arbeitgeber die Hälfte der Steuern im Dezember, kann es passieren, dass zu wenig Steuern gezahlt werden. Das Finanzamt fordert dann selbstverständlich eine Nachzahlung. In Norwegen wie in Deutschland verstehen die Ämter da keinerlei Spaß.

Um solche Missgeschicke zu umgehen, können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf der Webseite des norwegischen Finanzamtes berechnen lassen, wie viele Steuern im bisherigen Jahr schon gezahlt worden sind – so lassen sich unschöne Überraschungen vermeiden.

Quellen:
Königliche Norwegische Botschaft Berlin via E-Mail, Deutsch-Norwegische Handelskammer via E-Mail, accountor.com (NOR), bank2.no (NOR), dagbladet.no (NOR), deutschlandfunk.de, lovdata.no (NOR), regnskapnorge.no (NOR), tagesschau.de, vismasoftware.no (NOR)

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