Dank des Faktenchecks vom 22. November 2017 wissen wir nicht nur, dass wir bei „IstDasFakt?!“ ziemliche korinthenkacker (entschuldigt die Wortwahl) sind, sondern auch, dass es wohl mal drei Päpste gleichzeitig gegeben haben soll. Stellt sich nur die Frage, wie das geht, denn schließlich wissen wir ja alle (oder zumindest einige von uns), dass es immer nur einen Papst geben kann.
Das „Große Schisma“ von 1307 bis 1418 – was war das?
Der Papst im Mittelalter
Bevor wir uns so richtig mit dem „Großen Schisma“ beschäftigen, sollten wir uns erst einmal die Stellung des Papstes um 1400 herum anschauen. Der Papst hatte zur damaligen Zeit nämlich viel mehr macht, als er es heutzutage hat.
Der Papst ist der stellvertreter Gottes auf Erden. Sein Wort war unfehlbar, da es ja schließlich das Wort Gottes war. Was er sagte, war Gesetz. Widerworte gab es nicht.
Seinen Hauptsitz hatte der Papst in Rom und steuerte von dort aus seine Macht über alle Christen. Dadurch, dass er auch über die Fürsten gebot, war diese enorm groß.
Wie ihr vielleicht wisst, gibt es in der evangelischen Kirche keinen Papst, sprich in Deutschland interessieren sich heutzutage nur etwa die Hälfte aller Christen für das, was er sagt. Allerdings entstand der Protestantismus erst, nachdem Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte. Um 1400 herum gab es also nur die katholische Kirche und somit enorme Macht für den Papst.
Die Menschen waren im Mittelalter generell viel gläubiger, als wir es heute sind. Sie haben alles dafür getan, um sich und ihre Verwandten von den Sünden zu befreien, um ja nicht ins Fegefeuer bzw. die Hölle zu müssen. Der Papst konnte dieser Hoffnung jedoch ein Ende machen, wenn er wollte. Durch die Exkommunikation, also den Ausschluss einer Person aus der Kirche, wurde diese zur ewigen Verdammnis verurteilt.
Das „Große Schisma“
So, jetzt habt ihr einen groben Überblick über das christliche Leben im Mittelalter und den Papst. Dann nähern wir uns mal dem „Großen Schisma“.
Seit dem frühen Mittelalter lehrte die Kirche, dass es „zwei Schwerter“ gebe. Zum einen die geistliche Herrschaft der Kirche und zum Anderen die weltliche Herrschaft des Königs oder Kaisers bzw. der Adligen. Diese beiden Schwerter waren laut Kirche gleich mächtig.
Im Jahr 1302 erklärte der Papst Clemens V. dann jedoch, dass die Kirche Vorrang vor der weltlichen Herrschaft habe. Infolge dessen kommt es zu jahrzentelangen Konflikten zwischen der Kirche und der weltlichen Herrschaft.
So wie heute, hatte der Papst damals seinen Sitz in Rom. Der neue Papst Clemens V. war allerdings Franzose und zudem mit dem französischen König befreundet, weshalb er den Papstsitz 1307 von Rom nach Avignon verlegte. Dort war er bis 1376.
1377 versuchte Papst Urban von Rom aus Missstände in der Kirche abzuschaffen. Diese waren beispielsweise die unerlaubte Anhäufung verschiedener Ämter oder der Verstoß gegen das Armutsgelübde. Die Kardinäle waren damit jedoch überhaupt nicht einverstanden und wählten kurzerhand einen neuen Papst: Papst Clemens VII. Diser hatte seinen Sitz wieder in Avignon.
Jetzt ergab sich allerdings das Problem, dass es zwei Päpste zur gleichen Zeit gab, sprich zwei Vertreter Gottes, die dessen Wort verkünden, leider aber komplett unterschiedliche Sachen von sich gaben.
Dieses Problem sollten 1409 verschiedene Konzile, also Kirchenversammlungen, lösen. Das Ergebnis war, dass ein neuer Papst gewählt wurde: Papst Alexander. Das Problem war jetzt aber, dass die anderen zwei Päpste, also Urban und Clemens VII., nicht abdanken wollten und es somit drei Päpste gab.
Verwirrung bei den Gläubigen
Für die gläubigen Christen war dieser Zustand eine Katasrophe, da keiner wusste, welchem Papst er nun Glauben schenken sollte. Dadurch, dass sich die drei Päpste gegenseitig exkommunizierten, also aus der Kirche ausschlossen, wurde die Sache nicht gerade einfacher. Dieses Schisma führte dazu, dass der Glaube der Christen geschwächt und gespalten wurde. Die Kirche verlor enorm an Ansehen. Schließlich war das Wort Gottes eins und nicht zwei oder gar drei.
Einen Ausweg aus der Krise sollte das Konzil von Konstanz 1414–1418 bringen. Dieses setzte alle drei Päpste ab und bestimmte einen neuen: Papst Martin. Er residierte wieder in Rom und das „Große Schisma“ war beendet.
Für die Kirche hatte es jedoch weitrechende Folgen. Durch das verlorene Ansehen wurden die Reformbewegungen im 15. und 16. Jahrhundert verstärkt, etwa die Hussitenbewegung von Jan Hus oder Martin Luthers Reformation.
Quellen:
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