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Der friedlichste Krieg der Welt

Krieg wird in der Regel mit Waffen, Brutalität und befeindeten Parteien assoziiert. Da kommt es erst einmal überraschend, wenn sich Kanada und Dänemark in einem solchen Konflikt befinden sollen. Auch hätte man davon doch sicherlich in den Nachrichten gehört.

Dieser Krieg scheint allerdings anders zu sein: Die beiden Länder schicken abwechselnd ihre Soldaten auf die umstrittene „Hans-Insel“, hissen dort ihre Flaggen und lassen eine nationale Spirituose für den Gegner zurück. Klingt eher nach „Capture the Flag“ als nach einem echten Konflikt.

Aber stimmt diese Geschichte überhaupt?

Über diese Bewertung

Die Hans-Insel ist eine ca. 1,3 Quadratkilometer große, unbewohnte Insel ohne jegliche Vegetation oder nennenswerter Bodenschätze. Trotzdem erheben sowohl Kanada als auch Dänemark Anspruch auf sie.

Den Europäern bekannt ist sie seit etwa 1853 und wurde rund 20 Jahre später nach dem grönländischen Arktisforscher Hans Hendrik benannt.

Das Grenzproblem

Technisch gesehen liegt die Insel sowohl in kanadischen, als auch in dänischen Gewässern. 1933 entschied der „Ständige Internationale Gerichtshof“ jedoch, dass die kleine Insel zu Grönland gehöre und somit Dänemark als außenpolitische Vertretung einen Anspruch auf sie habe. Mit der Gründung der Vereinten Nationen löste sich der „Ständige Internationale Gerichtshof“ jedoch auf und die Entscheidung verlor ihre Legitimität. Jahrelang wurde diesem Thema dann keinerlei Beachtung mehr geschenkt. Bis Kanada und Dänemark in den 70er-Jahren entschieden, ihre Grenzen neu zu ziehen.

In dem 1973 verabschiedeten UNO-Vertrag liegt die Hans-Insel direkt auf der Demarkationslinie. Die Insel einfach zu teilen wollten die beiden Länder jedoch nicht.

1984 erhob der damalige dänische Minister für Grönland einen Anspruch auf die Insel und lies eine dänische Flagge auf ihr hissen. Auch ein Grenzschild mit der Aufschrift „Willkommen auf der dänischen Insel“ war mit im Gepäck. Vor der Abreise ließen die Dänen zusätzlich noch einen Schnaps zurück.

Die Hans-Insel

Die Kanadier reagierten prompt, wechselten die Flagge, entfernten das Schild und hinterließen einen Whiskey. Und seither gilt bis heute: Betritt ein Soldat des einen Landes die Insel, wechselt er die Flagge des anderen aus und hinterlässt eine landestypische Spirituose.

Eine Lösung in Sicht?

Seit nunmehr 36 Jahren geht dieses Spielchen hin und her, bisher ohne Einigung.

2005 beschlossen die Länder lediglich, dass das andere Land informiert werden müsse, wenn eine Expedition zu der Insel geplant ist. Vor Kurzem ging man dann noch einen Schritt weiter und berief ein Gremium aus Experten ein, das endgültig klären soll, welchem Land die Insel rechtmäßig zusteht. Auch eine mögliche Teilung wird in Betracht gezogen.

Bis es zu einem Ergebnis kommt, können aber noch bis zu zehn Jahre vergehen. Der letzte Schnaps wurde also noch nicht getauscht.

Quellen:
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