
Adolf Hitler hatte eine relativ große Familie. Auch, da sein Vater Alois Hitler insgesamt drei Mal verheiratet war und in nur einer Ehe kinderlos blieb. Aus der zweite Ehe Alois‘ gingen Alois Hitler Jr. sowie Angela Hitler hervor; der Halbbruder und die Halbschwester Adolf Hitlers. Nach dem Tod Alois Juniors Mutter Franziska Matzeksberger im Jahr 1884, wuchsen er und seine Schwester bei seinem Vater und dessen neuer Ehefrau Klara Pölzl auf.
Berichten zufolge habe sich Alois Jr. nie so richtig gut mit seinem Halbbruder Adolf verstanden, was auch daran gelegen haben soll, dass Adolf von Klara bevorzugt behandelt worden sein soll.
William Hitler – der Halbneffe des Diktators

1905 wanderte Alois Jr. nach London, England, aus, wo er die Irin Bridget Dowling heiratete. 1911 wurde der gemeinsame Sohn William Patrick Hitler geboren. Dieser arbeitete zunächst als Buchhalter in London, erhoffte sich durch Adolf Hitlers Machtergreifung 1933 jedoch bessere Jobchancen in Deutschland, weshalb er dorthin reiste.
In Deutschland angekommen erhielt William auf Geheiß seines Onkels sogar einen Arbeitsplatz bei Opel. Erst in der Fabrik in Rüsselsheim, später in einem Autohaus in Berlin. Da William jedoch extravagante Züge hatte und diese bei Kunden negativ auffielen, wurde ihm gekündigt und er zog wieder zurück nach Großbritannien.
Zur selben Zeit soll er übrigens Erpresserbriefe an seinen Onkel geschrieben haben, in denen er Geld fordert, da er ansonsten vertrauliche Familiengeheimnisse an die Presse geben würde. Adolf Hitler gab jedoch nicht nach und bezeichnete seinen Halbneffen im Gegenteil sogar als einen seiner „widerlichsten Verwandten“ (wobei dieser Wortlaut nicht genau belegt ist!).
Ist das etwa der Grund, warum William P. Hitler einen Artikel mit dem Titel „Warum ich meinen Onkel hasse“ geschrieben haben soll?

Der Weg nach Amerika
Im Januar 1939 verließ der junge William Hitler also wieder arbeitslos Deutschland und machte sich auf den Weg nach Großbritannien zu seiner Mutter. Verärgert darüber, keine großartige Karriere gemacht zu haben. Trotz seines Onkels als Diktator des Deutschen Reiches.
Doch lange blieb William nicht in England. Bereits am 30. März 1939 kamen er und seine Mutter mit einem Schiff in New York, USA, an. Von dort aus machte er in der Presse Stimmung gegen seinen Onkel und wurde in der „New York Times“ wenige Tage nach seiner Ankunft mit den Worten: Adolf Hitler habe „die Macht, die europäische Zivilisation zu zerstören und vielleicht die ganze Welt“, zitiert.
Im August 1939 erschien in der französischen Zeitung „Paris-Soir“ der „Mein Onkel Adolf“ und bereits im Juni veröffentlichte das US-amerikanische Magazin „Look“ einen mehrseitigen Artikel mit dem Titel „Warum ich meinen Onkel hasse“.
Warum er Adolf Hitler hasste

Die Ausgabe für damals 10 Cent ist heutzutage übrigens fast 900 Euro wert. In ihr veröffentlichte William nicht nur private Bilder, sondern beschrieb auch sein Leben als Halbneffe des Diktators.
Ich veröffentlichte einige Artikel über meinen Onkel, als ich wieder nach England zurückgekehrt war und wurde prompt nach Berlin zurückbeordert und mit meinem Vater und meiner Tante zu Hitler gebracht. Er bebte vor Zorn. Er schritt im Zimmer auf und ab, mit wildem Blick und den Tränen nahe. Ich musste ihm schwören, meine Artikel zu widerrufen und drohte, sich umzubringen, wenn ich weiterhin über sein Privatleben schreiben würde.
William Patrick Hitler in „Warum ich meinen Onkel hasse“ aus: „Look“ vom 04.07.1939
und
Ich werde niemals das letzte Mal vergessen, dass er nach mir schicken ließ. Er war in einer grauenhaften Laune, als ich ankam. Er schritt auf und ab und schwang seine Peitsche. Er schrie mich an und warf mir Beleidigungen an den Kopf als würde er eine politische Rede halten.
William Patrick Hitler in „Warum ich meinen Onkel hasse“ aus: „Look“ vom 04.07.1939
Nachdem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, fing William sogar an, durch die USA und Kanada zu reisen und gegen Bezahlung Vorträge über sein Leben mit dem „Führer“ zu halten.
Als das öffentliche Interesse an ihm nachließ, ging William 1944 zur US-Navey, wurde 1947 allerdings wieder entlassen. Bereits 1946 ließ er seinen Namen in William Stuart-Houston umbenennen, wahrscheinlich, um nicht direkt mit seinem Onkel in Verbindung gebracht zu werden.
William starb am 14. Juli 1987 auf Long Island in New York, USA.
Quellen:
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