Blinde Personen haben es in unserer Gesellschaft immer noch schwer. Unsere Umwelt ist nur sehr schlecht auf sie eingerichtet, was den Alltag erheblich erschwert. Zwei Schüler aus Nordrhein-Westfalen wollen dies nun ändern. Sie haben ein System entwickelt, das blinden Menschen ein autonomes Bewegen ermöglichen soll.


Ein Schulprojekt wird Realität
Konstantin Heimüller und Jens Stuckenholz (beide 16) kennen sich schon seit dem Kindergarten. Mittlerweile besuchen sie die 10. Klasse des Andreas-Vesalius Gymnasiums in Wesel, Nordrhein-Westfalen, und belegen seit zwei Jahren das Wahlpflichtfach Naturwissenschaften. Ein Halbjahr lang hatten sie dabei die Möglichkeit ein eigenes Projekt zu verwirklichen. Die Idee der Schüler: Blinden Menschen durch den Alltag helfen.
Dabei haben sie sich an Einparkhilfen von Autos orientiert. Anhand von Ultraschallsensoren, die in eine Jacke integriert sind, erkennt der Blindenpilot, wie weit ein Hindernis von der Person entfernt ist. Sobald ein aufgenommener Wert kleiner als 1,70 m ist, fängt ein danebenliegender Vibrationsmotor an, zu vibrieren und ein akustisches Signal auszusenden. Die Sensoren und Vibrationsmotoren sind jeweils beidseitig im Schulter- und Hüftbereich angebracht. Die Person weiß also, wo sich das Hindernis befindet, und kann dementsprechend ausweichen.
Das Ziel der beiden Schüler ist es, den Blindenstock und vielleicht sogar den Blindenhund zu ersetzen. So weit ist es allerdings noch nicht ganz. Noch fehlen Sensoren im Kopf- und Fußbereich, damit beispielsweise auch herabführende Treppen von dem Blindenpiloten erkannt werden können. Bisher ist der sogenannte Langstock für blinde Personen also noch zwingend erforderlich, um sich sicher bewegen zu können.
Seit Ende 2018 bekommen Jens und Konstantin Unterstützung vom Blinden- und Sehbehindertenverein Duisburg e.V. Ein blindes Mitglied des Vereins durfte den Prototypen sogar schon testen – mit Begeisterung: „Die Probandin wollte die Jacke nicht wieder abgeben!“, berichtete die 1. Vorsitzende des Vereins Thordis Scharrenbroch.
Und auch an einem Wettbewerb haben die Schüler schon erfolgreich teilgenommen. Beim Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“ in Berlin schafften sie es mit ihrer Erfindung auf den dritten Platz.
Die Entwicklung geht weiter
Am Ziel angekommen sind Jens und Konstantin noch nicht. Mittlerweile haben sie ihre Erfindung schon beim deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen und kümmern sich jetzt darum, ihre Erfindung publik zu machen und Investoren von ihrer Idee zu überzeugen, schließlich wird die Herstellung des Blindenpiloten recht teuer.
Wer sich weiter mit dem „Blindenpilot“ auseinandersetzen möchte, findet unter blindenpilot.de weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu den beiden Jungunternehmern. Des Weiteren läuft am Freitag, dem 09.08.2019, beim WDR Duisburg in den Sendungen „Aktuelle Stunde und/oder Lokalzeit Duisburg“ ein Beitrag über die Barrierefreiheit der Stadt.
Quellen:
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